Fotografin
wollte sie werden, ihre außergewöhnliche Stimme hat sie auf einen
anderen Weg geführt – und aus der Sängerin ist eine Stimmbildnerin
geworden. Hoykenkamp. Eigentlich
wollte Tatjana Nivilinszky Fotografin werden. Hätte sie beim
Fotografieren in der Hochschule der Künste Bremen nicht gesungen – sie
hätte ihr Berufsziel erreicht: In ihrem Heim in der Hoykenkamper
Fockestraße zeugen großformatige selbstgemalte Bilder von dem
künstlerischen Auge der zierlichen Sängerin. Doch ihre Liebe zum Gesang
und ihre vier Oktaven umfassende Stimme ließen nur eines zu: „Du musst
der Menschheit deine Stimme schenken“, rieten die Dozenten, die sie in
der HdK hörten. Seitdem bekam sie von der
Sopranistin Julia Hamari Gesangsstunden und entdeckte eine
ungewöhnliche Gabe in sich: „Ich habe immer sofort gehört, woran es
lag, wenn ein Gesangsschüler Probleme hatte“, erzählt sie und
berichtet, dass ein Student an einer Arie aus dem „Vogelhändler“ fast
verzweifelt wäre, bis sie ihm riet: „Du bist total verspannt im Rücken.
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 Tatjana Nivilinszky hat
nicht nur eine beeindruckende Stimme – sie kann auch genau hören, wo
die stimm- lichen Blockaden bei anderen liegen.
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Geh
auf allen Vieren, wackele mit dem Po und dann sing’ dabei.“ Als er das
Stück am Nachmittag der Dozentin fehlerfrei vortragen konnte, wurde ihr
Talent zur Stimmbildnerin erkannt und gefördert. Tatjana Nivilinszky
unterrichtete erst einige Jahre in Bremen, und seit März ist sie nun
mit ihrer Gesangsschule „Stimm-Oase“ in Hoykenkamp am nördlichen Rand
von Delmenhorst ansäs-sig. Hier unterrichtet sie natürlichen Gesang und
bietet Sprachförderung, Atemlehre, Stilfin-dung, Stimmanalyse,
Posingcoaching und Künstlerbetreuung. Auch Seminare veranstaltet die
sympathische Künstlerin hier, bei größerer Teilnehmerzahl finden die
Workshops in den Räumen der Musikschule Strings statt. Oft nutzen Chöre
Tatjana Nivilinszky stimmpädagogisches Geschick. „Ich höre sofort, ob
da jemand falsch eingestellt ist oder schummelt“, teilt sie
augen-zwinkernd mit. Ihr
aktuelles Projekt ist die Produktion einer CD mit eigenen Songs gegen
Kindesmisshand-lung, bei der auch ihr sechsjähriger Sohn mitwirkt. „Die
Leute hören dann auf, ihre Kinder zu schlagen“, überzeugte Maximilian
seine Mutter. Im kommenden Sommer plant die Gesangspädagogin einen
Gesangswettbewerb in Delmenhorst, bei dem ein junges Talent eine
CD-Produktion und Gesangsstunden gewinnen kann. „Wir suchen noch
Sponsoren für dieses Vorhaben, das jungen Sängern eine Chance geben
soll, die sich nicht bei den großen Castings vorstellen möchten“, sagt
sie und nennt mit Frank Fiedler von Starfish Music und Michael Jaspers
von Shampala zwei professionelle Musiker, mit denen sie bei diesem
Projekt zusammenarbeitet. „Ich habe schon viel Geschichten von meinen
Schülern über große Cas-tings gehört. Diejenigen, die nicht
weiterkommen, werden nicht gut behandelt, sie müssen nach dem
Ausscheiden zusehen, wie sie vom Studio im Nirgendwo wieder nach Hause
kommen und müssen vorher stundenlang warten – unter unwürdigen
Bedingungen“, gibt sie Insiderwissen preis und rät: „Man sollte nie nur
auf eine Person hören, was das eigene Talent betrifft. Geht in die
Musikschulen, nehmt Unterricht, um eine klare Aussage von Fachleuten zu
bekommen.“ Derart ausgelastet, vermisst die Sängerin nun die
Möglichkeit, selbst aufzutreten. „Leider ist mein Pianist
gesundheitlich nicht mehr in der Lage, mich einen ganzen Abend lang zu
begleiten.“ Gerne würde sie mit neuem Klavierpartner wieder öffentlich
Chansons und Gospels vortragen. Sie ist hoffnungsvoll: „Vielleicht
liest ein Klavierspieler ja diesen Aufruf.“ |